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Altersvorsorge

Altersvorsorgedepot 2027: Der komplette Leitfaden

09. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kaum ein Thema wird mir in Erstgesprächen aktuell so oft gestellt wie diese Frage: „Soll ich mit der Altersvorsorge warten, bis das Altersvorsorgedepot startet?“ Die Antwort hat sich geändert, seit das Gesetz im Mai 2026 final beschlossen wurde – hier der aktuelle Stand, mit allen Zahlen, die für Ihre Planung relevant sind.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Altersvorsorgedepot ist beschlossene Sache: Bundestag am 27.03.2026, Bundesrat am 08.05.2026 – Start zum 1. Januar 2027.
  • Förderung: 50 Cent je eingezahltem Euro bis 360€/Jahr, danach 25 Cent bis 1.800€/Jahr – macht bis zu 540€ staatliche Zulage pro Jahr.
  • Einmaliger Starter-Bonus von 200€ für Berufseinsteiger:innen unter 25 Jahren, bis zu 300€ Kinderzulage pro Kind und Jahr.
  • Auch Selbstständige sind ab 2027 förderberechtigt – ein wichtiger Unterschied zu Riester.
  • Kostendeckel von 1,0% Effektivkosten gilt nur für das verpflichtende Standardprodukt – reguläre Altersvorsorgedepots können teurer sein, ein Anbietervergleich lohnt sich also weiterhin.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein neues, staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt, das die Riester-Rente als Standard für die private, geförderte Altersvorsorge ablöst. Kern ist ein Depot, in dem Sie direkt in Aktien, ETFs, Fonds und Anleihen investieren – mit staatlicher Zulage auf Ihre Einzahlungen, aber ohne die strenge Beitragsgarantie, die Riester-Verträge bisher zu einem hohen Anteil sicherheitsorientierter, renditearmer Anlagen gezwungen hat.

Die Förderung: bis zu 540€ pro Jahr

Die staatliche Zulage ist gestaffelt: Für jeden eingezahlten Euro gibt es 50 Cent Förderung bis zu einer Einzahlung von 360€ im Jahr, darüber hinaus bis 1.800€ noch 25 Cent je Euro.

Eigenbeitrag/JahrStaatliche ZulageGesamteinzahlung
360€180€ (50%)540€
1.000€330€ (50% + 25%)1.330€
1.800€540€ (Maximum)2.340€

Weitere Einzahlungen bis 6.840€ pro Jahr sind möglich und bleiben steuerlich begünstigt, erhöhen die Zulage selbst aber nicht mehr. Familien erhalten zusätzlich bis zu 300€ Kinderzulage pro Kind und Jahr, Berufseinsteiger:innen unter 25 Jahren einen einmaligen Starter-Bonus von 200€.

Steuerliche Behandlung

In der Ansparphase bleiben Erträge steuerfrei – keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale, und auch Umschichtungen innerhalb des Depots lösen keine sofortige Besteuerung aus. Besteuert wird nachgelagert, also erst bei der Auszahlung im Alter. Ob und wie sich das für Ihre persönliche Steuersituation lohnt, hängt vom individuellen Steuersatz zum Zeitpunkt der Auszahlung ab.

Kostendeckel: die Details, die selten genannt werden

Jeder Anbieter muss ein zertifiziertes Standardprodukt mit maximal 1,0% Effektivkosten pro Jahr im Angebot haben – das ist der viel zitierte Kostendeckel. Was dabei oft untergeht: Dieser Deckel gilt nur für dieses eine Standardprodukt. Reguläre Altersvorsorgedepots außerhalb davon unterliegen keiner Kostenobergrenze und können spürbar teurer sein. Über 40 Jahre macht der Unterschied zwischen 0,2% und 1,0% laufenden Kosten einen sechsstelligen Betrag aus – ein echter Anbietervergleich bleibt also entscheidend, auch nach Einführung des Deckels.

Altersvorsorgedepot vs. bestehender Riester-Vertrag

Bestehende Riester-Verträge laufen unverändert mit Bestandsschutz weiter. Ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist möglich, ohne bereits erhaltene Förderung zurückzahlen zu müssen. Ob sich das lohnt, hängt vor allem vom Vertragsalter, den enthaltenen Garantien und der bisherigen Kostenstruktur ab – eine pauschale Empfehlung gibt es hier nicht. Einen ausführlichen Vergleich der Fördersysteme finden Sie im Artikel Riester, Rürup oder ETF-Sparplan: Was passt zu Ihnen?.

Für wen sich das Altersvorsorgedepot besonders lohnt

Besonders relevant ist das neue Instrument für Berufseinsteiger:innen (Stichwort Starter-Bonus), für Familien mit Kindern (Kinderzulage), für Selbstständige, die bisher von Riester ausgeschlossen waren, und für alle, die einen bestehenden Riester-Vertrag mit schwacher Rendite halten und einen Wechsel prüfen wollen. Wie sich das Depot gegenüber einem freien ETF-Sparplan schlägt, lesen Sie im Artikel Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan: Was passt zu Ihnen?.

Typische Fehler im Umgang mit dem Thema

Der häufigste Fehler: mit dem Sparen warten, bis das Altersvorsorgedepot startet. Das kostet Jahre an Zinseszinseffekt, die sich nicht nachholen lassen. Der zweite häufige Fehler: sich allein auf den Kostendeckel verlassen und den Anbietervergleich überspringen – wie oben beschrieben gilt der Deckel nur für das Standardprodukt. Und drittens: einen bestehenden Riester-Vertrag vorschnell kündigen, ohne die individuellen Garantien und Vertragskosten gegenzurechnen.

Wie ich mit dem Thema umgehe

Ich verfolge die Umsetzung aktiv und prüfe für Mandant:innen, ob und wie sich das Altersvorsorgedepot sinnvoll in die bestehende Altersvorsorge einfügt – als Ergänzung zu einem ETF-Sparplan oder als Alternative zu einem bestehenden Riester-Vertrag. Wie ein ETF-Sparplan als Baustein schon heute funktioniert, erklären wir im Artikel ETF-Sparplan: So starten Sie richtig, das Zusammenspiel aller Altersvorsorge-Bausteine im Artikel Altersvorsorge: Die 3 wichtigsten Bausteine sowie auf der Leistungsseite Altersvorsorge. Wollen Sie direkt prüfen lassen, ob und wie sich das Altersvorsorgedepot für Sie lohnt? Mehr dazu auf der Seite Altersvorsorgedepot Beratung.

Allgemeine Einordnung auf Basis des Gesetzgebungsstands vom Mai 2026, keine individuelle Beratung. Die steuerliche Auswirkung hängt von Ihrer persönlichen Situation ab – für eine individuelle Einschätzung wenden Sie sich zusätzlich an einen Steuerberater.

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Häufig gestellte Fragen

Ist das Altersvorsorgedepot schon beschlossen?

Ja. Der Bundestag hat die Reform am 27. März 2026 verabschiedet, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt. Das Gesetz ist Ende Mai 2026 in Kraft getreten, der Start für Sparer:innen ist der 1. Januar 2027.

Wie hoch ist die staatliche Förderung genau?

Für jeden eingezahlten Euro gibt es 50 Cent Zulage bis zu einer Einzahlung von 360€ im Jahr, darüber hinaus bis 1.800€ noch 25 Cent je Euro. Maximal sind das 540€ Förderung pro Jahr. Weitere Einzahlungen bis 6.840€ sind möglich, erhöhen die Zulage aber nicht mehr.

Muss ich jetzt bis 2027 warten, um mit dem Sparen zu beginnen?

Nein, im Gegenteil. Der Zinseszinseffekt beginnt zu wirken, sobald Sie anfangen – nicht erst, wenn ein neues Instrument verfügbar ist. Wer heute schon in einen ETF-Sparplan oder eine bestehende geförderte Vorsorge einzahlt, kann in aller Regel später umstrukturieren oder um das Altersvorsorgedepot ergänzen.

Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und laufen unverändert weiter. Ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist möglich, ohne bereits erhaltene Riester-Förderung zurückzahlen zu müssen – ob sich das lohnt, hängt von Vertragsalter, Garantien und individueller Situation ab.

Können auch Selbstständige das Altersvorsorgedepot nutzen?

Ja, das ist eine der zentralen Neuerungen gegenüber Riester: Ab 2027 sind auch Selbstständige förderberechtigt und können von der staatlichen Zulage profitieren.

Was bedeutet der Kostendeckel von 1,0% konkret?

Jeder Anbieter muss ein zertifiziertes Standardprodukt mit maximal 1,0% Effektivkosten pro Jahr im Angebot haben. Reguläre Altersvorsorgedepots außerhalb dieses Standardprodukts unterliegen diesem Deckel nicht und können deutlich teurer sein – ein Vergleich der tatsächlichen Effektivkosten bleibt deshalb wichtig.

Gibt es eine Beitragsgarantie wie bei Riester?

Nein, anders als bei Riester ist keine Beitragsgarantie vorgeschrieben. Das ermöglicht eine höhere Aktien- bzw. ETF-Quote und damit mehr Renditechancen, bedeutet aber auch mehr Kursschwankungen als bei klassischen Riester-Produkten.

Was ist der Starter-Bonus für unter 25-Jährige?

Berufseinsteiger:innen unter 25 Jahren erhalten einmalig 200€ zusätzlich ins Depot – unabhängig von eigenen Einzahlungen. Über einen langen Anlagehorizont kann daraus durch den Zinseszinseffekt ein spürbarer Betrag werden.

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