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Absicherung

BU mit Beitragsrückgewähr: Lohnt sich der Aufpreis wirklich?

06. November 2026 · 8 Min. Lesezeit

Bei der BU mit Beitragsrückgewähr zahlen Sie neben der eigentlichen Berufsunfähigkeitsversicherung einen deutlich höheren Beitrag. Im Gegenzug soll am Ende der Laufzeit Geld zurückfließen, wenn während der Vertragsdauer keine Berufsunfähigkeit eintritt. Was der Name verspricht, hält die Praxis nur teilweise: Zurückgezahlt wird nicht automatisch jeder eingezahlte Euro, sondern ein Sparanteil, dessen Höhe von der Überschussbeteiligung des Versicherers abhängt. Ob sich der Aufpreis gegenüber einer reinen BU mit separat angelegtem Differenzbetrag lohnt, zeigt erst eine nüchterne Gegenüberstellung beider Varianten.

Das Wichtigste in Kürze
  • BU mit Beitragsrückgewähr kostet gegenüber einer identischen BU ohne diesen Zusatz üblicherweise rund 20 bis 50 Prozent mehr im Monat, abhängig von Versicherer, Eintrittsalter und Laufzeit.
  • Zurückgezahlt wird am Ende der Laufzeit nicht automatisch jeder eingezahlte Beitrag, sondern ein Sparanteil, dessen Höhe von der Überschussbeteiligung des Versicherers abhängt.
  • Tritt während der Laufzeit eine Berufsunfähigkeit ein, erhalten Sie die vereinbarte BU-Rente, aber keine zusätzliche Rückgewähr-Auszahlung.
  • Die durchschnittliche laufende Verzinsung in der Lebensversicherung liegt 2026 je nach Erhebung bei rund 2,6 bis 2,9 Prozent – deutlich unter der historischen Durchschnittsrendite eines breiten Aktien-ETFs von rund 7 Prozent pro Jahr.
  • Ein nachträglicher Wechsel zwischen BU mit und ohne Beitragsrückgewähr ist bei den meisten Anbietern nicht vorgesehen; die Entscheidung fällt beim Vertragsabschluss.
  • Wer den Mehrbeitrag diszipliniert selbst in einen ETF-Sparplan anlegt, kommt in den meisten Modellrechnungen auf einen höheren Kapitalwert als über die Rückgewähr des Versicherers – trägt dafür aber das Kursrisiko einer Aktienanlage.

BU mit Beitragsrückgewähr: Wie der Zusatzbaustein funktioniert

Die Beitragsrückgewähr ist eine Zusatzoption, die bereits beim Antrag mitvereinbart werden muss – sie lässt sich nicht nachträglich in einen laufenden Vertrag einbauen. Technisch teilt sich der Beitrag dabei faktisch in zwei Bestandteile: einen Risikoanteil, der die eigentliche BU-Absicherung finanziert, und einen Sparanteil, der in die Überschussbeteiligung des Versicherers fließt. Läuft der Vertrag ohne Leistungsfall bis zum vereinbarten Endtermin, meist ein bestimmtes Alter wie 60, 65 oder 67 Jahre, wird der angesparte Betrag zuzüglich der erwirtschafteten Überschüsse ausgezahlt. Ein späterer Wechsel zwischen BU mit und ohne Beitragsrückgewähr ist bei den meisten Anbietern nicht vorgesehen, die Entscheidung fällt also beim Abschluss und bindet Sie für die gesamte Laufzeit.

Was im Leistungsfall passiert – und was eben nicht

Tritt während der Vertragslaufzeit tatsächlich eine Berufsunfähigkeit ein, erhalten Sie die vereinbarte BU-Rente, genau wie bei einer reinen BU ohne Zusatz. Eine zusätzliche Auszahlung aus der Beitragsrückgewähr gibt es in diesem Fall nicht – der Sparanteil ist ausschließlich für den Fall vorgesehen, dass kein Leistungsfall eintritt. Der Name der Option führt an dieser Stelle häufig zu Missverständnissen: Er suggeriert eine Rückzahlung aller gezahlten Beiträge, tatsächlich handelt es sich um eine nicht garantierte Überschussbeteiligung auf einen Teil des Mehrbeitrags.

Wie viel teurer eine BU mit Beitragsrückgewähr wirklich ist

Marktvergleiche verschiedener Anbieter zeigen einen Mehrbeitrag von häufig 20 bis 50 Prozent gegenüber einer ansonsten identischen BU ohne Rückgewähr. Die genaue Höhe schwankt deutlich zwischen den Gesellschaften und hängt von Eintrittsalter, vereinbarter Rentenhöhe und Laufzeit ab – ein pauschaler Wert für „die“ Beitragsrückgewähr existiert nicht. Die folgende Modellrechnung veranschaulicht die Größenordnung an einem vereinfachten Beispiel:

VarianteMonatsbeitrag (Modell)Mehrbeitrag ggü. reiner BU
Reine BU ohne Rückgewähr100 €–
BU mit Beitragsrückgewähr (unteres Bandende)120 €+20 %
BU mit Beitragsrückgewähr (oberes Bandende)150 €+50 %

Die 20 bis 50 € monatlicher Mehrbeitrag aus diesem Modell sind genau der Betrag, der bei einer reinen BU stattdessen für eine eigene Geldanlage zur Verfügung steht – darauf kommt es im nächsten Abschnitt an.

In der Beratung sehe ich häufig, dass sich Mandantinnen und Mandanten beim Abschluss für die Beitragsrückgewähr entscheiden, weil sich das Gefühl, bei einem gesunden Vertragsverlauf „umsonst“ gezahlt zu haben, unangenehm anfühlt. Die eigentliche Frage wird dabei selten gestellt: ob der Mehrbeitrag über die Vertragslaufzeit tatsächlich besser verzinst wird als bei einer eigenständigen Anlage der Differenz. Der typische Fall ist ein Angestellter Anfang 30, der nach einer Gehaltserhöhung erstmals eine bedarfsgerechte BU-Rente abschließt und sich den höheren Beitrag gerade leisten kann – ohne die beiden Varianten vorher gegenübergestellt zu haben.

Die Alternative: reine BU plus eigener ETF-Sparplan

Wer sich gegen die Beitragsrückgewähr entscheidet und den Mehrbeitrag stattdessen in einen ETF-Sparplan investiert, vergleicht im Kern zwei Renditegrößen. Die laufende Verzinsung in der Lebensversicherung, in die auch der Sparanteil der Beitragsrückgewähr vergleichbar angelegt wird, liegt 2026 je nach Erhebung bei rund 2,6 bis 2,9 Prozent. Ein breit gestreuter Aktien-ETF auf einen Weltindex hat dagegen über die vergangenen Jahrzehnte im Schnitt rund 7 Prozent Rendite pro Jahr erzielt – beides historische Durchschnittswerte ohne Garantie für die Zukunft. Über 30 Jahre ergibt dieser Renditeunterschied bei gleicher monatlicher Sparrate einen deutlich höheren Endwert für den ETF-Sparplan. Der Unterschied hat allerdings seinen Preis: Die Rückgewähr des Versicherers kalkuliert ohne direktes Kursrisiko, während der ETF-Sparplan über die gesamte Laufzeit Kursschwankungen unterliegt und am Ende auch unter dem eingesetzten Kapital liegen kann, falls Sie ausgerechnet in einer schwachen Marktphase auf das Geld zugreifen müssen.

Typische Fehler bei der Entscheidung

  • Die Beitragsrückgewähr ohne Alternativrechnung wählen, nur weil sich der Gedanke an „verlorene“ Beiträge unangenehm anfühlt, ohne die erwartete Rendite gegen einen eigenen ETF-Sparplan zu rechnen.
  • „Rückgewähr“ mit voller Beitragsrückzahlung verwechseln, obwohl tatsächlich nur ein nicht garantierter Sparanteil zuzüglich Überschüssen ausgezahlt wird.
  • Die Kapitalbindung bis Vertragsende unterschätzen, während ein eigener ETF-Sparplan je nach Bedarf flexibel verfügbar bleibt.
  • Sich gegen die Rückgewähr entscheiden, den Mehrbeitrag dann aber nicht tatsächlich separat anlegen, sondern im laufenden Konsum verschwinden lassen – damit entfällt der gesamte Renditevorteil der Alternative.
  • Einen späteren Wechsel zwischen beiden Varianten einplanen, obwohl das bei den meisten Anbietern vertraglich gar nicht vorgesehen ist.

BU ohne vs. mit Beitragsrückgewähr im Überblick

KriteriumReine BU + eigener ETF-SparplanBU mit Beitragsrückgewähr
MonatsbeitragNiedriger, Differenz fließt in EigenanlageHöher, meist 20–50 % über der reinen BU
Rückzahlung garantiert?Entfällt – Depot gehört Ihnen jederzeitNein, abhängig von Überschüssen des Versicherers
KapitalbindungKeine, jederzeit verfügbarBis Vertragsende gebunden
RenditeerwartungHistorisch höher, mit KursrisikoHistorisch niedriger, ohne direktes Kursrisiko
EignungWer diszipliniert separat anlegt und Marktrisiko trägtWer eine feste Sparstruktur einer eigenen Anlage vorzieht

Für wen sich welche Variante eignet

Eine reine BU mit separat angelegtem Mehrbeitrag passt zu allen, die Risikoabsicherung und Vermögensaufbau bewusst trennen wollen und diszipliniert genug sind, die freiwerdende Differenz tatsächlich in einen ETF-Sparplan zu investieren statt sie auszugeben. Die Beitragsrückgewähr passt dagegen zu Mandantinnen und Mandanten, die eine feste, vom Versicherer vorgegebene Sparstruktur einer eigenständigen Anlage vorziehen und dafür bewusst auf einen Teil der erwartbaren Rendite verzichten. Beide Varianten sind legitime Entscheidungen – entscheidend ist, dass Sie sie anhand der tatsächlichen Beitragsdifferenz und nicht allein aus dem Gefühl heraus treffen, ob sich ein Vertrag ohne Leistungsfall „gelohnt“ hat.

Wie sich Beitrag und Rente einer BU abhängig von Alter und Beruf insgesamt zusammensetzen, zeige ich mit Beispielrechnungen im Artikel Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich?. Welche Vertragsdetails über die Beitragsrückgewähr hinaus beim Abschluss entscheiden, beschreibe ich im Artikel Berufsunfähigkeitsversicherung: Häufige Fehler beim Abschluss. Wie die Teilfreistellung und der Sparerpauschbetrag die tatsächliche Steuerlast eines ETF-Sparplans senken, der als Alternative zur Rückgewähr dient, erkläre ich im Artikel Teilfreistellung bei ETFs: Wie viel Steuer Sie wirklich sparen. Einen Überblick über alle Bausteine der Absicherung, die ich als Finanzplaner nach § 34d GewO marktweit vergleiche, finden Sie auf der Leistungsseite Absicherung.

Ob sich die Beitragsrückgewähr in Ihrem konkreten Fall gegenüber einer reinen BU mit eigener Geldanlage lohnt, hängt von Ihrem Angebot, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikobereitschaft ab. Vereinbaren Sie dazu ein kostenfreies Erstgespräch – ich rechne mit Ihnen gemeinsam beide Varianten anhand Ihrer tatsächlichen Zahlen durch.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Die genannten Zins- und Renditewerte sind historische Durchschnittswerte ohne Garantie für die Zukunft und können sich seit Veröffentlichung dieses Artikels geändert haben. Für die steuerliche Behandlung einer Auszahlung aus der Beitragsrückgewähr ziehen Sie zusätzlich einen Steuerberater hinzu, da sie je nach Vertragsgestaltung und Abschlussdatum unterschiedlich ausfallen kann.

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Häufig gestellte Fragen

Bekomme ich bei der BU mit Beitragsrückgewähr wirklich alle eingezahlten Beiträge zurück?

Nein, trotz des Namens nicht garantiert. Zurückgezahlt wird der angesparte Sparanteil zuzüglich der vom Versicherer erwirtschafteten Überschüsse, nicht jeder einzelne eingezahlte Euro. Fällt die Überschussbeteiligung über die Laufzeit niedrig aus, liegt die Auszahlung entsprechend unter der Summe aller gezahlten Mehrbeiträge.

Was passiert mit der Beitragsrückgewähr, wenn ich tatsächlich berufsunfähig werde?

Sie erhalten die vereinbarte BU-Rente, so wie bei einer reinen BU auch. Eine zusätzliche Auszahlung aus der Beitragsrückgewähr gibt es in diesem Fall nicht, da der Sparanteil für den Leistungsfall nicht vorgesehen ist. Die Rückgewähr greift ausschließlich dann, wenn der Vertrag ohne Leistungsfall bis zum vereinbarten Endtermin läuft.

Kann ich eine BU nachträglich auf Beitragsrückgewähr umstellen oder umgekehrt?

Bei den meisten Anbietern nicht. Die Beitragsrückgewähr muss bereits beim Antrag mitvereinbart werden, ein späteres Hinzufügen oder Entfernen ist in der Regel nicht vorgesehen. Wer sich unsicher ist, sollte die Entscheidung deshalb vor Vertragsabschluss anhand einer konkreten Modellrechnung treffen statt danach.

Wie viel teurer ist eine BU mit Beitragsrückgewähr gegenüber einer reinen BU?

Marktvergleiche verschiedener Anbieter zeigen einen Mehrbeitrag von häufig 20 bis 50 Prozent gegenüber einer ansonsten identischen BU ohne Rückgewähr. Die genaue Höhe schwankt stark zwischen den Gesellschaften und hängt von Eintrittsalter, Rentenhöhe und Laufzeit ab, weshalb sich ein Vergleich konkreter Angebote lohnt.

Lohnt sich die Beitragsrückgewähr gegenüber einem eigenen ETF-Sparplan?

Nach historischen Durchschnittswerten eher nicht. Die laufende Verzinsung in der Lebensversicherung liegt 2026 bei rund 2,6 bis 2,9 Prozent, während ein breiter Aktien-ETF langfristig im Schnitt rund 7 Prozent pro Jahr erzielt hat. Dafür trägt der ETF-Sparplan das volle Kursrisiko einer Aktienanlage, während die Rückgewähr ohne direktes Kursrisiko kalkuliert wird.

Für wen kann die Beitragsrückgewähr trotzdem sinnvoll sein?

Für Mandantinnen und Mandanten, die eine feste Sparstruktur einem eigenständigen Investment vorziehen und bereit sind, dafür auf Rendite zu verzichten. Wer ohnehin diszipliniert spart und die freiwerdende Differenz tatsächlich in einen ETF-Sparplan investiert statt sie auszugeben, fährt nach den Zahlen meist besser ohne den Zusatz.

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